Initiative „Brocken ohne Bundeswehr“ begrüßt Absage des Bundeswehr-Karrierecamps
Goslar/Wernigerode. Die Initiative „Brocken ohne Bundeswehr“ zeigt sich erleichtert und erfreut über die Absage des geplanten Bundeswehr-Karrierecamps „Camp Brocken“. Die Bundeswehr hatte ursprünglich geplant, vom 15. bis zum 31. Mai auf der Brockenspitze mit einem mobilen Camp um Nachwuchs zu werben. Nach massiven öffentlichen Protesten wurde dieses Vorhaben nun gekippt.
Die Initiative wertet die Absage als klaren Erfolg des breiten gesellschaftlichen Widerstands. „Die Bundeswehr wollte sich den Brocken, den symbolträchtigsten Berg des Harzes, als Werbefläche sichern – mitten im Nationalpark und entgegen dessen Schutzstatus. Dass dieser Plan gescheitert ist, zeigt, dass wir als Zivilgesellschaft stark sind, wenn wir uns wehren“, erklärt Sven George, Sprecher der Initiative „Brocken ohne Bundeswehr“.
Protest gegen Militarisierung und Rekrutierung Minderjähriger
Die Initiative hatte in den vergangenen Wochen selbst Unterschriften unter einen Aufruf gleichen Titels gesammelt. Darin verurteilen die Unterzeichner*innen die Pläne der Bundeswehr auf dem Brocken als Teil einer zunehmenden „Zeitenwende“, die eine immer weiter um sich greifende Militarisierung aller Lebensbereiche bedeute. Besondere Kritik übte die Initiative an der geplanten Rekrutierung Minderjähriger auf dem Berg.
„Es ist ein fatales Signal, ausgerechnet Jugendliche an einem Ort wie dem Brocken mit seiner friedlichen Natur für den Militärdienst anwerben zu wollen“, so George weiter. „Wir wenden uns entschieden gegen das Projekt der sogenannten ‚Kriegstüchtigkeit‘ der Gesellschaft. Der Brocken hätte als ‚Mitte der Gesellschaft‘ instrumentalisiert werden sollen – genau dagegen stellen wir uns.“
Breites Bündnis gegen das Karrierecamp
Unterstützt wurde die Initiative „Brocken ohne Bundeswehr“ von einem breiten gesellschaftlichen Bündnis. Zu den Unterzeichner*innen des Aufrufs zählten unter anderem das Bündnis „Nein zur Wehrpflicht Harz“, die Naturfreunde Braunschweig, die Linksjugend Goslar, die Jusos Göttingen, die Grüne Jugend Göttingen, der DGB Ortsverband Northeim, der ver.di Ortsverband Northeim, die SDAJ und DKP Niedersachsen sowie zahlreiche weitere Organisationen und Einzelpersonen.
Tim Germann, Sprecher des Bündnisses „Nein zur Wehrpflicht Harz“, ergänzt: „Die Absage des ‚Camp Brocken‘ ist ein wichtiger Etappensieg für alle, die sich gegen die zunehmende Militarisierung unserer Gesellschaft zur Wehr setzen. Dass die Bundeswehr ihre Rekrutierungsversuche jetzt zurückziehen musste, zeigt, dass der Protest gegen die Anwerbung von Jugendlichen – und besonders Minderjährigen – Wirkung zeigt. Wir lassen nicht zu, dass unsere Nationalparks zu Werbeflächen fürs Soldatsein umfunktioniert werden.“
Ein Zeichen für die Entmilitarisierung des öffentlichen Raums
Die Absage des Camps betrachtet die Initiative als wichtiges Zeichen dafür, dass ein Zurückdrängen der Bundeswehr aus dem öffentlichen Raum möglich ist. „Dieser Erfolg macht Mut. Er zeigt, dass Protest wirkt und wir nicht tatenlos zusehen müssen, wie die Bundeswehr immer präsenter wird – ob an Schulen, auf Arbeitsmessen oder jetzt auf unseren Bergen“, betont Sven George.
Die Initiative „Brocken ohne Bundeswehr“ kündigte an, den weiteren Umgang mit dem Nationalpark Harz und mögliche zukünftige Aktivitäten der Bundeswehr in der Region kritisch zu begleiten.
